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Fotografie: Kaiser Wilhelm II. in Bielefeld

Wilhelm II., der letzte deutsche Kaiser, der das Land von 1888 bis 1918 regierte, war der erste Medienmonarch. In Gemälden und Grafiken, auf Fotos und im Film wurde er unzählige Male im Bild festgehalten. Dazu reiste er unentwegt durch Deutschland, stand bei Manövern und Paraden, Denkmaleinweihungen und Besuchen anderer deutscher Fürstenhäuser in der Öffentlichkeit und wurde dabei abgelichtet. Unser Foto hält dagegen einen eher privaten Moment fest.

Am 6. August 1900, bei echtem „Kaiserwetter“, weihte Wilhelm II. das Denkmal des Großen Kurfürsten im Innenhof der Sparrenburg ein. Nachdem er noch eine Eiche an der Burgmauer gepflanzt hatte, begab sich der Kaiser mit seinem Gefolge zur Villa von Georg Hinzpeter am Oberntorwall, um dort ein Gabelfrühstück einzunehmen. Der so ausgezeichnete Hinzpeter, dem der Kaiser am selben Tag auch einen hohen Orden verlieh, war sein ehemaliger Erzieher. Hinzpeter, der Alte Sprachen, Geschichte und Geografie studiert hatte, übte zunächst die Funktion eines Hauslehrers bei mehreren Adelsfamilien aus, bevor er 1866 nach Berlin an den Hof gerufen wurde. Dort übertrug man dem strengen Calvinisten die Erziehung des jungen Prinzen. Obwohl der nüchterne Mann mit seinen rigiden Unterrichtsmethoden keine Rücksicht auf die Körperbehinderung und seelische Befindlichkeit seines Schützlings nahm, blieb ihm Wilhelm II. zeitlebens verbunden. Das Foto zeigt den Kaiser mit seiner Gattin beim Verlassen der Villa, im Vordergrund ist noch der vorausgehende Hofmarschall zu sehen. Als Hinzpeter am 29. Dezember 1907 im Alter von 80 Jahren starb, reiste der Kaiser zur Beerdigung an und führte den Trauerzug an. Georg Hinzpeters eindrucksvolles Grabmal mit seiner Büste befindet sich auf dem Johannisfriedhof.

 

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