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Wehrschachspiel „Tak-Tik“

Auf den ersten Blick sieht es wie ein normales Schachbrett aus, auf den zweiten irritieren verschiedene Linien, die das Spielfeld durchqueren. Noch verstörender ist der Anblick der Spielfiguren: Blau und rot anstelle des gewohnten schwarz und weiß, gibt es weder König noch Dame, keinen Turm und kein Pferd. Stattdessen erscheinen Panzer und Bomben sowie ein etwas engbrüstiger Adler. Vollends klar wird der militaristische Hintergrund des Spiels, wenn man den Deckel der Schachtel betrachtet mit der Abbildung einer MG-Mannschaft im Schützengraben.

Bereits im Ersten Weltkrieg gab es spezielle Kriegs-Schachspiele, die sich auf das aktuelle Kampfgeschehen bezogen und die traditionellen Spielfiguren durch Soldaten und Kriegsgerät ersetzten. Der nationalsozialistische Staat versuchte Schach als „Nationalspiel der Deutschen“ zu vereinnahmen. Aus den gleichgeschalteten Schachvereinen, aus denen jüdische und politisch mißliebige Mitglieder ausgeschlossen worden waren, entstand 1933 der „Großdeutsche Schachbund“, dessen Ehrenvorsitz Joseph Goebbels übernahm. Über die Hitlerjugend wurde Schach popularisiert, das als Kampfspiel zur Förderung des Wehrgedankens in der Jugend aufgefasst wurde. In München veranstaltete der NS-Staat 1936 sogar mit großem Propagandarummel ein „Schach-Olympia“, bei dem die deutsche Mannschaft den dritten Platz belegte. Das Wehrschachspiel „Tak-Tik“, das mit dem eigentlichen Schach nur Grundzüge gemeinsam hat, kam 1938 auf den Markt. Es beanspruchte als „wertvolle Geistesschulung“ pädagogischen Wert und sollte bei der Jugend und, nach Kriegsausbruch, vor allem an der Front Abnehmer finden. Obwohl das Spiel sehr um Aktualität bemüht war – in späteren Ausgaben gibt es als Spielstein auch die neue Wunderwaffe V2 – hielt sich seine Verbreitung doch in Grenzen.

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