Sie haben gewählt: das Objekt des Monats Dezember

Dürkopp „Bollimat“

Die Dürkoppwerke in Bielefeld waren traditionell bekannt für ihre Nähmaschinen und Fahrräder. Aber was macht das Dürkopp-Logo auf einem Gerät für heiße Würstchen? Was verbirgt sich hinter dem putzigen Namen „Bollimat“? Nichts anderes als eine Art Vorläufer der Mikrowelle, der die Vorliebe der Deutschen für ein heißes Würstchen als Pausensnack zu nutzen versuchte.

Der „Bollimat“ ist ein Erzeugnis der 1960er Jahre, als viele Bielefelder Metallunternehmen in eine strukturelle Krise geraten waren. Haushaltsnähmaschinen ließen sich immer schwerer absetzen, seit die Konkurrenz aus Billiglohnländern und die allmähliche Abkehr vom Selbstschneidern den Herstellern zusetzten. Gleichzeitig verdrängte die zunehmende Motorisierung das Fahrrad und ließ auch in diesem Bereich den Absatz sinken. Die Firmen suchten diesem Dilemma zum Teil dadurch zu entgehen, indem sie mit neuen Produkten experimentierten. Kochs Adler fing etwa an, Schreibmaschinen zu bauen, während Dürkopp versuchte, im Haushaltsbereich Fuß zu fassen und beispielsweise Staubsauger fabrizierte.

Der „Bollimat“ war für Kantinen und Imbisse gedacht. Er enthielt einen Glaszylinder, in den eine Wurst mit etwas Wasser gesteckt und dann elektrisch erhitzt wurde. Damit war ein Platzen der Würstchen, die in 30 Sekunden heiß wurden, ausgeschlossen. Eine Werbefaltblatt pries die Neuheit an: „Wird der Bollimat direkt am Büfett aufgestellt, reizt der erstaunliche Vorgang des Erhitzens den Gast geradezu, Würstchen zu verlangen. Hier bietet sich eine Verkaufshilfe und Arbeitserleichterung zugleich.“ Trotz solcher Versprechungen ist der „Bollimat“ wohl kein Verkaufsschlager geworden und bald wieder aus der Fertigung bei Dürkopp verschwunden.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*