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Zuckerbreche

Die Zuckerbreche

„Oben spitz und unten breit, durch und durch voll Süßigkeit“ – dieses Rätsel aus einem Kinderbuch um 1850 würde heute wohl viele Erwachsene ins Grübeln bringen. Wir verwenden heute ganz selbstverständlich große Mengen Zucker in unterschiedlicher Form: als Kristall, als Puder, in Würfeln oder in den rhombischen Formen von Kandis. Der Zuckerhut dagegen, über Jahrhunderte die gewöhnliche Erscheinung der begehrten süßen Ware, ist bis auf die nostalgische Feuerzangenbowle aus unserer Warenwelt verschwunden.

Bevor sich die Herstellung des Zuckers aus Rüben in Mitteleuropa im 19. Jahrhundert durchsetzte, musste der Rohrzucker aus fernen Ländern importiert werden. Folglich war er kostspielig und blieb den Wohlhabenden vorbehalten. Traditonell füllte man bei der Herstellung den eingedickten Zuckersaft in kegelförmige Behälter und ließ ihn darin erstarren, sodass die einprägsame Form des Zuckerhutes entstand. Im 18. Jahrhundert breitete sich der Zuckergenuss mit den Heißgetränken Kaffee und Tee auch im Bürgertum aus. Um die kostbare Substanz besser portionieren zu können, entwickelte man verschiedene Gerätschaften. Die Zuckerhüte wogen zwischen ein und drei Kilogramm, und die Zerkleinerung war durchaus mühsam. Zunächst wurde der Hut in große Brocken zerschlagen, die mit einer speziellen Zange gefasst werden konnten. Dann kam die Zuckerbreche zum Einsatz. In unserem Fall ist sie fest auf ein Brett montiert, der untere Backen trägt eine starke Zähnung, um den Brocken besser zu halten, während von oben die Schneide herabgedrückt wird. Die Zerkleinerung war nicht ungefährlich, und soll 1840 zur Erfindung des Würfelzuckers geführt haben, als die Ehefrau eines Zuckerfabrikanten sich bei dieser Tätigkeit verletzt hatte. Es dauerte aber noch lange, bis sich die industrielle Portionierung endgültig durchsetzte.

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