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Fahrradlampe Fahrradlaterne

Am Ende des 19. Jahrhunderts veränderte das Radfahren das Mobilitäts- und Freizeitverhalten von immer mehr Menschen. Dabei war die Dunkelheit zunächst eine Schranke, die das neue Fortbewegungsmittel nur schwer durchbrechen konnte. Zwar gab es bereits Fahrradlaternen, die mit Kerzen oder Öl als Brennstoff betrieben wurden, aber die Lichtausbeute war eher gering und die Handhabung beschwerlich. 1896 kam die Karbid- oder Acetylengaslaterne als Fahrradbeleuchtung auf den Markt, die ein viel helleres Licht lieferte.

Acetylengas entsteht durch die Verbindung von Calciumcarbid mit Wasser. Die Lampe besteht aus zwei übereinander angeordneten Behältern, wobei aus dem oberen Wasser dosiert auf die darunter befindliche Chemikalie getropft werden kann. Das entstehende Gas wird über ein kurzes Rohr in einen Brenner geleitet, der vor einem Hohlspiegel aus blankem Metall angebracht ist. Dieser fokussiert die grelle Flamme, wobei das verbrennende Gas relativ viele Rußpartikel freisetzt, sodass eine Reinigung des Brenners häufiger nötig ist.

Unsere Lampe trägt auf der Oberseite den Firmennamen Lohmann, der ein Stück Bielefelder Industriegeschichte repräsentiert. 1882 gründete der Bielefelder Carl Lohmann in London ein Importgeschäft, das nicht nur Bielefelder Nähmaschinen, sondern auch westfälische Schinken, Mettwürste, Sauerkraut und andere Delikatessen in die britische Hauptstadt lieferte. Bald spedierte Lohmann auch englische Erzeugnisse wie Fahrradzubehör nach Deutschland. Das Aufblühen der Fahrradindustrie in Bielefeld veranlasste ihn dazu, in seiner Heimatstadt einen Großhandel mit Fahrradteilen aufzubauen. Um die hohen Einfuhrzölle zu umgehen, fing Lohmann bald selbst mit der Produktion von Sätteln und Taschen an. 1903 wurde ein neuer Fabrikbau in der Nähe des Schlachthofs bezogen, wo 450 Arbeiter bis zu 60.000 Sättel im Monat herstellten. Daneben produzierte Lohmann in großem Umfang Koffer. Die Lederverarbeitung ergänzte später ein metallverarbeitender Bereich, der Fahrradlaternen und Autoscheinwerfer herstellte, nicht zu vergessen den berühmten kleinen Lohmann-Motor. Bis in die 1930er Jahre strahlten die hellen Acethylengasflammen, dann hatte sich die elektrische Fahrradbeleuchtung endgültig durchgesetzt. Die Lohmann-Werke blieben aber auch nach dem Niedergang der Fahrradindustrie dem Licht treu: Bis 1999 produzierten sie in Bielefeld Solarien.