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KDF

„Kraft durch Freude“-Katalog

„Es genügt nicht, daß wir tapfere Menschen haben, sie müssen auch froh und freudig sein.“ Diese markigen Worte von Robert Ley, dem Leiter der Deutschen Arbeitsfront, eröffnen den Reisekatalog der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ für den Gau Westfalen-Nord 1938. Das aufwendig gestaltete Titelblatt mit dem Emblem der KdF, einer Schiffsschraube mit Hakenkreuz, und einer Komposition aus Palmen und antiker Tempelfront suggeriert verlockende Ferne. Tatsächlich galt die Freizeitorganisation auch bei nicht stramm nationalsozialistisch eingestellten „Volksgenossen“ als populär. Ein Blick ins Kleingedruckte zeigt aber, wie radikal auch die Freizeit der NS-Ideologie unterworfen werden sollte.

Vorbild für „Kraft durch Freude“ war die „Opera Nazionale Dopolavoro“ der italienischen Faschisten, die Mussolini bereits 1925 gegründet hatte. Reichsorganisationsleiter Robert Ley hatte diese Einrichtung auf einer Italienreise kennengelernt und erhielt im November 1933 Hitlers Zustimmung für eine entsprechende deutsche Organisation. Ley war für die Zerschlagung der Gewerkschaften verantwortlich gewesen und hatte ihr Vermögen beschlagnahmt. Jetzt war ihm die Aufgabe zugefallen, die dem NS-Regime kritisch oder ablehnend gegenüberstehende Arbeiterschaft für den neuen Staat zu gewinnen. „Kraft durch Freude“ bildete eine Unterorganisation in der Deutschen Arbeitsfront, die Arbeiter und Arbeitgeber als Einheit zusammenschließen sollte. Sie verfolgte geschickt mehrere Ziele: auch die Freizeit der Berufstätigen zu kontrollieren, dabei durch Erholung die Leistungskraft und „Volksgesundheit“ zu erhalten und durch scheinbare Wohltaten für die Arbeiterschaft deren inneren Widerstand zu überwinden.

Das Amt für Reisen, Wandern und Urlaub war der wichtigste Geschäftsbereich der KdF und der größte Reiseveranstalter Deutschlands. Das Heft für den Gau Westfalen-Nord bietet außer zahlreichen Aussprüchen von Parteigrößen allerdings nur Fahrten innerhalb Deutschlands an, die jeweils von Münster ausgehen. Wie stark selbst der Tourismus nach dem Führerprinzip ausgerichtet war und jeden Freiraum des Reisenden erstickte, zeigen die Klauseln am Ende: „Den Anordnungen des Reiseleiters ist unbedingt Folge zu leisten… Undiszipliniertes Verhalten und ungehöriges Benehmen führen zum sofortigen Ausschluß… Eigenmächtiges Längerbleiben im Urlaubsgebiet ist nicht gestattet.“ Selbst bei Wanderungen waren die Teilnehmer dem Wandergruppenführer zum Gehorsam verpflichtet. Auf den beliebten Kreuzfahrten, die eher der zahlungskräftigeren Kundschaft vorbehalten waren, wurden die meisten Ehepaare getrennt in Männer- und Frauenkabinen untergebracht, und „ältere, gebrechliche und körperlich stark behinderte Volksgenossen“ waren von vornherein nicht zugelassen. Das Publikum der Kreuzfahrtdampfer dürfte also ganz anders ausgesehen haben als heute. Mit Kriegsbeginn 1939 stellte die KdF im Wesentlichen ihre Aktivitäten ein. Die „Wilhelm Gustloff“, das Schmuckstück der KdF-Flotte, nahm 1945 als Flüchtlingsschiff ein tragisches Ende.

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