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Geldkatze

Geldkatze, um 1850

Wer weiß heute noch, was ein Beutelschneider ist? Im Mittelalter trug man das Geld – selbstverständlich ausschließlich Münzen – in einem Lederbeutel am Gürtel. Diebe bewiesen großes Geschick darin, im Gedränge der Märkte einen wohlgefüllten Beutel unbemerkt abzuschneiden. Anfang des 16. Jahrhunderts kam die Geldkatze auf, die mehr Sicherheit versprach, wurde sie doch meist unter dem Obergewand getragen. Über die Herleitung des Namens herrscht keine Einigkeit. Manche führen das althochdeutsche Wort chazza an, das „Beutel, Behältnis“ bedeutet, andere verweisen darauf, dass man anfangs wohl tatsächlich Katzenbälge für diesen Zweck verwendete.

Das Prinzip der Geldkatze ist einfach: Es handelt sich um einen an den Enden vergrößerten Schlauch, der in der Mitte der Längsseite einen Schlitz hat, groß genug, um eine Münze durchzulassen. Zwei Verschlussringe, deren Durchmesser kleiner ist als die Münzen, werden auf den leeren Beutel gezogen. Schiebt man sie auseinander, sperren sie die dicken Enden mit dem Geld ab. Will man dagegen eine Münze entnehmen, schiebt man beide nebeneinander an den Rand des Schlitzes. Die Geldkatze konnte entweder über dem Gürtel hängend oder längs am Gürtel befestigt getragen werden. In dieser Trageweise gibt es heute noch ganz ähnliche Geldbehältnisse. Gehalten hat sich auch der Ausspruch „Rubbel die Katz!“, mit dem jemand zum Handeln gedrängt wird. Wer bei einem Kaufhandel mit den Fingern die Münzen in der Geldkatze zählte, ohne sie zu entnehmen, stand kurz vor der Kaufentscheidung.

Unsere Geldkatze stammt aus der späten Biedermeierzeit und ist als Perlstrickerei ausgeführt. Diese kunstvolle Handarbeitstechnik stand damals in Blüte und wurde auch von Damen der höheren Stände gepflegt. Eine handgearbeitete Börse galt als vornehmes Geschenk beispielsweise zur Verlobung. Die winzigen Glasperlen wurden, auf Schnüre aufgezogen, verkauft und mussten farblich sortiert werden, um ein Muster aufbringen zu können. Strickbücher wie das Portefeuille für Freundinnen der eleganten Strickkunst (Pirna und Leipzig 1810) gaben ein unerschöpfliches Repertoire an Mustern an die Hand. Betrachtet man die Feinheit der Strickerei und denkt an die Mühe, die die Arbeit mit den winzigen Perlen verursacht haben muss, dann kann man nur hoffen, dass unsere Geldkatze als Geschenk gebührende Bewunderung gefunden hat.

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