Objekt des Monats Juni

Bugholzstuhl

Bugholz Etikett

Bugholz Sitz

 

 

Bugholzstuhl

Nicht weniger als eine „Industrialisierung des Sitzens“ bedeutete es, als der Schreiner Michael Thonet 1859 ein Verfahren patentieren ließ, mit dem der Naturstoff Holz in jede beliebige Form zu bringen war. Seine in Massenfertigung hergestellten Sitzmöbel eroberten in kurzer Zeit nicht nur die Kaffeehäuser Europas. Um 1840 hatte Michael Thonet (1796-1871) in seiner Werkstatt in Boppard am Rhein begonnen, mit dem Biegen von Holzlatten unter dem Einfluss heißer Wasserdämpfe zu experimentieren. Zunächst entstanden Stühle und Sessel aus zweidimensional gebogenem, furnierverleimtem und gepresstem Schichtholz. Dabei spannte Thonet das gedämpfte Holz in eiserne Rahmen und gab ihm so die gewünschte Form. Erst nach dem Umzug nach Wien gelang es ihm jedoch, durch ein neuartiges Verfahren massive Buchenholzstäbe dreidimensional zu biegen. Dabei wurde das Reißen des Holzes, das vorher noch manchmal zu beobachten war, vermieden. Damit schuf Thonet die Voraussetzung für die Massenproduktion von Bugholzmöbeln.

Seine erste große Fabrik errichtete Thonet in Mähren in der Nähe umfangreicher Buchenwälder. Eine Jahresproduktion aller Thonet´schen Fabriken fraß 1876 rund 30.000 Kubikmeter Nutzholz. Die Grundmodelle seiner Sitzmöbel wie der Stuhl Nr. 14 zeichneten sich durch Funktionalität und schlichte Eleganz aus. Dieser Stuhl wurde bis 1930 in etwa 14 Millionen Exemplaren hergestellt und gilt heute als Designklassiker.

Der Erfolg rief bald Nachahmer auf den Plan. Am besten konnten sich neben Thonet Jacob und Josef Kohn behaupten, die 1868 ebenfalls in Mähren eine Fabrik für Bugholzmöbel errichteten. Sie verbesserten das Verfahren unter anderem durch die Konstruktion einer Dampfkammer für die Konditionierung des Holzes. Weitere Fabriken kamen hinzu, sodass im Jahr 1900 das Unternehmen mit 6300 Arbeitern produzierte. Aus dieser Zeit stammt auch unser Bugholzstuhl, der unter dem Sitz noch das originale Etikett der Firma aufweist. Die Firma Kohn, die von den Söhnen des Gründers weitergeführt wurde, hatte eigene Verkaufshäuser in ganz Europa und zeichnete sich durch vorbildliche Sozialeinrichtungen für die Arbeiterschaft aus.

1914 fusionierte J. & J. Kohn mit der Mundus AG (Kohn-Mundus), die ihrerseits 1922 von der Firma Gebrüder Thonet übernommen wurde. Bis 1937 blieb zumindest die Marke Kohn bestehen.

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