Objekt des Monats Januar

Medaille Paris vorn

Medaille Paris rück

 

 

 

 

 

 

Medaille der Weltausstellung in Paris 1937

Einen Hauch der großen Welt trägt diese massive Bronzemedaille mit sich. Auf der Vorderseite ist eine Frauenfigur in antiker Gewandung zu sehen, die Hände in Gebetshaltung erhoben. Hinter ihr schweben auf Wolken vier kleinere Figuren mit Attributen wie Leier und Lorbeerzweig. Mit den streng symmetrisch angeordneten Gestalten korrespondieren die Schriftzeilen Exposition Internationale Paris MCMXXXVII. Auf der Rückseite erscheint das Stadtwappen von Paris, das Segelschiff auf den Wellen, mit der Beischrift Arts et Techniques. Aber wie ist die Medaille in die Sammlung des Historischen Museums gelangt und was hat sie mit Bielefeld zu tun?

Die Pariser Weltausstellung vom 25. Mai bis 25. November 1937 war nach dem internationalen Reglement nur eine „kleine“ Weltausstellung, die mit 105 Hektar Fläche und 34 Millionen Besuchern aber durchaus „große“ Zahlen zu bieten hatte. Wie kaum eine andere Weltausstellung wurde sie durch die politischen Auseinandersetzungen am Vorabend des Zweiten Weltkriegs geprägt. Geradezu sinnbildlich standen sich die Pavillons des nationalsozialistischen Deutschlands und der Sowjetunion gegenüber, die mit ihrer auftrumpfenden Architektur und den heldischen Kolossalstatuen beide Ausdruck eines totalitären Staates waren. Der Pavillon der spanischen Republik präsentierte im Eingangsbereich Picassos anklagendes Gemälde Guernica, während im Heimatland der Bürgerkrieg tobte. Soziale Unruhen in Frankreich und Streiks, die auch die Fertigstellung der Weltausstellung betroffen hatten, überschatteten das Ereignis zusätzlich.

Das Vorhaben der Ausstellung, Kunst und Technik im modernen Leben nicht als Gegensatzpaar, sondern als Ergänzung von Schönheit und Nützlichkeit darzustellen, geriet dadurch manchmal in den Hintergrund. Die Ausstellung brach mit der Anlage älterer Weltausstellungen, die einen universalen Anspruch hatten und riesige Hallen umfassten, zugunsten des Prinzips einzelner nationaler Pavillons. Eine große Jury vergab Diplome und Medaillen für herausragende Leistungen in verschiedenen Kategorien. Eine Auszeichnung erhielt der Bielefelder Gold- und Silberschmied Otto Hahn (1899-1984) für einen goldenen Ring. Hahn stammte aus einer Dynastie von Goldschmieden, die ursprünglich aus Stade kam. Sein Vater, der sich um 1900 in Bielefeld niederließ, hieß ebenso Otto wie sein Sohn und Nachfolger, so dass man von Otto Hahn II. sprechen kann. In Bielefeld, Dresden, Schwerin und Bremen ausgebildet, gründete er 1924 eine eigene Werkstatt und machte nicht zuletzt mit expressivem Silberschmuck Aufsehen. Die Pariser Medaille mit der Urkunde wurde auch von Otto Hahn III. in Ehren gehalten, der Laden und Werkstatt in der Bielefelder Altstadt bis 1998 erfolgreich weiterführte. Mit der Werkstatteinrichtung und weiteren Teilen der Familienüberlieferung kam die Auszeichnung später in die Sammlungen des Museums.

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