Objekt des Monats März

Glacéhandschuhe ·

Immer wieder verschwinden Gegenstände aus dem Alltag, weil ihr Verwendungszweck obsolet geworden ist. Manchmal aber überlebt ihr Andenken in einer Redewendung, die im Sprachgebrauch fest verankert bleibt. So erging es den Glacéhandschuhen, die so zart waren, dass man im übertragenen Sinn damit bis heute den sensiblen und rücksichtvollen Umgang mit einem Menschen charakterisiert.

Wie der Name schon andeutet, war Frankreich die Heimat dieses Luxusartikels. Im 17. Jahrhundert kamen dort elegante Handschuhe auf, die aus feinstem Lamm- oder Zickelleder gefertigt wurden. Die Bezeichnung „Glacéleder“ spielt auf die weiße Farbe an, die an Eis erinnert. Neben dem Grundmaterial in bester Qualität brauchte es eine aufwändige Behandlung mit Alaun, Kochsalz, Eigelb und Mehl, um die Weißgerbung durchzuführen. In späterer Zeit ersetzte man das Eigelb, das die besondere Geschmeidigkeit ergab, durch ölhaltige Substanzen und verwendete Chrom als Gerbmittel. Neben der Weißgerbung gab es aber auch die Möglichkeit, dem Leder andere Farben zu verleihen.

Im 19. Jahrhundert begann die große Zeit der Glacéhandschuhe, die von beiden Geschlechtern geschätzt wurden. Bei den Damen handelte es sich oft um Ballhandschuhe, die zu einem ärmellosen oder kurzärmeligen Kleid getragen wurden. Wie bei unserem Beispiel reichten sie bis zur Armbeuge oder sogar bis zum Oberarm hinauf. Die Damen legten die Handschuhe den ganzen Abend nicht ab. Das Anziehen war eine mühsame Prozedur, sollte sich der Handschuh doch möglichst eng an die Körperformen anschmiegen. Jeder starke Zug oder Druck brachte die Gefahr mit sich, das empfindliche Material zu beschädigen. Das Handschuhpaar im Historischen Museum hat als Hilfsmittel einen Fingerweiter dabei, um das Anziehen zu erleichtern.

Glacéleder ist waschbar und behält bei sachgemäßer Behandlung seine Weichheit und Elastizität. Man kann sich leicht vorstellen, dass die weißen Handschuhe schnell schmutzig wurden. Häusliche Ratgeber wie das 1900 in Bielefeld erschienene Buch „Die Stütze der Hausfrau“ von Conradine Stinde empfahlen, die Handschuhe in reinem Benzin zu waschen. Ein anderer Ratgeber aus dieser Zeit warnte: „Man hüte sich aber, diese Reinigung bei Licht oder in der Nähe von Feuer vorzunehmen, weil Benzin sich sehr leicht entzündet und eine Explosion dann unausbleiblich ist.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.