Objekt des Monats August

Eismaschine ·
„Sofern die finanziellen Verhältnisse es der Hausfrau erlauben, ihre Familie im Sommer des öfteren mit selbstgemachtem Speiseeis zu überraschen, ist es nötig, eine Eismaschine zu beschaffen.“ In diesem Sommer hätten sicher viele Menschen Eugenie Erlewein zugestimmt und sich eine Eismaschine gewünscht, die im Handumdrehen leckeres Speiseeis zaubert. Aber bei unserem Modell, das wie Erleweins „Hauswirtschaftslehre“ aus den 1930er Jahren stammt, wären sie vorher erst ins Schwitzen gekommen, denn es braucht schon etliche Kurbelumdrehungen, bis man mit dem Genuss belohnt wird.Heute gehört ein Kühlschrank zur Grundausstattung einer Wohnung. Die künstliche Kälte hat aber in vielen Regionen erst nach dem Zweiten Weltkrieg flächendeckend Einzug gehalten. Erdmieten, Gewölbekeller und kühle Speisekammern sorgten vorher dafür, dass Lebensmittel auch im Sommer länger frisch blieben. Wenn dabei Eis zum Einsatz kam, handelte es sich um Natureis, das im Winter auf stehenden Gewässern geerntet und in Eiskellern aufbewahrt wurde. Dieses Eis kam in Stangen oder Blöcken in den Handel und war auch für unsere Eismaschine unentbehrlich. Während Frankreich und die Vereinigten Staaten bei der Entwicklung der künstlichen Kälte und von Speiseeis führend waren, fand Deutschland erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Anschluss.
Die Maschine besteht aus einem Kübel aus Kiefernholz mit genuteten und gespundeten Dauben. Eine Büchse aus verzinntem Eisenblech mit einem Rührwerk sitzt in einigem Abstand in der Mitte auf einem Zapfen. In den Zwischenraum zwischen Kübel und Büchse füllte man abwechselnd kleingehacktes Eis und Viehsalz. Mit den Kurbelbewegungen drehen sich Büchse und Rührwerk über ein Kegelradgetriebe in entgegengesetzter Richtung. Eis und Salz lösen sich langsam auf und entziehen dabei dem Inhalt der Metallbüchse Wärme, so dass er gefriert. Dann kann die Büchse herausgenommen und der Inhalt gestürzt werden.
Im Deckel der Büchse findet sich der Herstellername „Alexanderwerk“. Namengebend war Alexander von der Nahmer, der 1885 in Remscheid eine Eisengießerei gegründet hatte. Auf einer Reise in die USA lernte er einen Fleischwolf mit Handkurbel kennen und erwarb das Recht, ihn nachzubauen. Seine Söhne wandelten die ständig expandierende Firma, die zu Hochzeiten 3000 Mitarbeiter hatte, 1899 in eine Aktiengesellschaft um. Zu den Fleischwölfen hatten sich diverse Maschinen und Geräte für Haus und Küche wie Brotschneider, Fruchtpressen, Waagen und Christbaumständer gesellt. Im Programm gab es auch größere Maschinen für gewerbliche Zwecke. Seit den 1930er Jahren kamen Maschinen für die chemische und pharmazeutische Industrie, die vor allem Zerkleinerungslösungen anboten, hinzu. In diesem Bereich ist das Unternehmen bis heute tätig. Noch immer verbindet sich der Name „Alexanderwerk“ aber mit den unverwüstlichen, materialgesättigten Küchengeräten aus Omas Tagen.

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