Objekt des Monats Februar

Waschkugel ·

„Einfachste Handhabung“, „geringster Wasser- und Waschmittelverbrauch“, „kürzeste Waschzeit“ – kein Superlativ reichte aus, um Mitte der 1950er Jahre die silberglänzende Waschkugel und ihre Fertigkeiten zu beschreiben. Um zu verstehen, warum dieses merkwürdige schwenkbare Ei, dessen Wirkungsweise einem Schnellkochtopf nicht unähnlich ist, bei den Hausfrauen Anklang fand, muss man einen Blick auf die Waschmethoden der damaligen Zeit werfen.

Der Waschtag war für Frauen früher eine anstrengende Arbeit, die fast den ganzen Tag in Anspruch nahm. Die schmutzige Wäsche wurde zunächst sortiert, eingeweicht und bei hartnäckigen Flecken vorbehandelt. Nach dem Auswringen mit der Hand kam sie in einen Bottich mit heißer Seifenlauge und wurde mit Waschbrett und Wäschestampfer traktiert, oft in mehreren Gängen, zwischen denen die Wäschestücke jeweils in klarem Wasser gespült wurden. Nach dem letzten Auswringen konnte die Hausfrau endlich die saubere Wäsche zum Trocknen aufhängen. Meist fanden diese Arbeiten in einer Waschküche statt, die eine sprichwörtlich gewordene schwül-dunstige, von Laugengeruch geschwängerte Atmosphäre auszeichnete. Wer einmal mit einem Rührholz die Wäsche in dem Bottich bewegt und die heißen nassen Stücke mit der Hand ausgewrungen hat, kann sich vorstellen, dass die Frauen am Abend geschafft waren. Obendrein waren bei gemeinschaftlichen Waschküchen, wie sie in Mehrfamilienhäusern üblich waren, genaue Absprachen zwischen den Mietparteien über die Nutzung notwendig.

Nach dieser Schilderung verwundert es nicht, dass bereits um 1850 zwei Konzepte für Waschmaschinen vorlagen, die den Arbeitsablauf mechanisieren sollten. In einem Fall handelte sich um eine waagrecht liegende Trommel mit Rillen, die sich mit der Wäsche in der Lauge drehen ließ. Das zweite Modell war vertikal ausgerichtet, der Bottich wurde von oben befüllt und war mit einem Rührwerk aus Drehflügeln versehen. Diese Version wurde seit 1902 unter anderem von der Firma Miele in Gütersloh mit großem Erfolg hergestellt, bald auch mit Elektromotor und Aufsatzwringer. Trotz mancher Erleichterung durch solche Maschinen dauerte es bis 1951, als die erste deutsche vollautomatische Waschmaschine „Constructa“ vorgestellt wurde.

Der hohe Preis war ein Grund, dass 1958 erst in 23 % der deutschen Haushalte ein Vollautomat stand. Der andere lag in den Unwuchtkräften, die beim Schleudern wirkten und es nötig machten, die Maschine fest im Boden zu verankern. Damit hatten auch diese frühen Vollautomaten ihren Platz im Keller. Als preisgünstige Lösung für die kleine Wäsche zwischendurch in der Wohnung kam nun die Waschkugel auf den Markt. Unser Exemplar Marke „Waschblitz“ entstand in der Metallwarenfabrik Ketterer im schwäbischen Alpirsbach. Die Wäschestücke kamen zusammen mit Waschpulver und heißem Wasser in die Kugel, die luftdicht zu verschließen war. Nach einigen Drehbewegungen sollte der entstehende Überdruck mit dem Waschmittel den Schmutz aus dem Gewebe vertreiben. Laut Werbung konnte der „Waschblitz“ in einer Minute sechs Hemden blitzsauber machen. Bis Ende der 1960er Jahre besetzte die Waschkugel, die von mehreren Herstellern produziert wurde, eine Nische unter den Haushaltsgeräten. Dann rückten die Vollautomaten, deren Bewegungsdrang die Ingenieure inzwischen gebändigt hatten, in die Wohnungen vor und machten die silbernen Kugeln überflüssig.