Objekt des Monats März

Messingschale, um 1920

Viele Kunsthandwerker, die mit Gold und Silber gearbeitet haben, sind als Meister ihres Faches noch heute bekannt. Weit seltener hat sich ein Künstler Ruhm erworben, der ausschließlich mit unedlen Metallen umging. Georg Mendelssohn (1886-1955), der aus einer deutsch-jüdischen Gelehrten- und Künstlerfamilie stammte, hatte sich dem Material Messing verschrieben und machte daraus eindrucksvolle Kreationen. Mit 40 cm Durchmesser ist unsere Schale schon wegen ihrer Größe auffällig, aber ebenso durch die Gestaltung.

Georg (von) Mendelssohn stammte aus Dorpat im heutigen Estland und wuchs in Jena auf. Als junger Mann besuchte er die Debschitz-Schule für freie und angewandte Kunst in München, eine der fortschrittlichsten Kunstschulen Deutschlands. Bestärkt von den Münchener Kunsthandwerkern um Richard Riemerschmid, spezialisierte er sich auf Messingtreibarbeiten. Im Jahr 1910 gewann er auf der Weltausstellung in Brüssel damit eine Goldmedaille. Mendelssohn ließ sich nun in der Künstlerkolonie Hellerau vor den Toren Dresdens nieder. Die Arbeiten aus seiner Werkstatt erwarben sich einen hervorragenden Ruf und erschienen auch in dem Warenbuch mit vorbildlichen Erzeugnissen des Deutschen Werkbunds, dem Mendelssohn angehörte.

Mendelssohns Arbeiten sind in der Grundform einfach, im Dekor zurückhaltend, aber zuweilen durchaus expressiv. Der Künstler schnitt sich selbst eiserne Stempel in großer Mannigfaltigkeit, die er in verschiedenen Zusammenstellungen als Ornament in das getriebene Metall einschlug. Unsere Schale erinnert an ein Meerestier, etwa eine Meduse, eine Assoziation, die zu Mendelssohns Jugend in Jena führt. Dort lebte der berühmte Zoologe und Philosoph Ernst Haeckel (1834-1919), der mit seinem prächtigen Tafelwerk „Kunstformen der Natur“ 1899 den Blick nicht zuletzt der Künstler auf die Formenvielfalt der Unterwasserfauna gelenkt hatte. Gerade für die Kunsthandwerker und Entwerfer des Jugendstils bot Haeckels Werk eine unerschöpfliche Inspiration. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass auch Mendelssohn hier Anregungen fand.

Die Schale stammt aus dem Nachlass des Bielefelder Gold- und Silberschmieds Rudolf Feldmann (1878-1958). Eine langjährige Bekanntschaft verband ihn mit dem Maler Conrad Felixmüller, der damals wie Mendelssohn in Dresden lebte. Felixmüller war mit dem Metallkünstler eng befreundet und so ist es denkbar, dass über diese Beziehung die ungewöhnliche Messingschale nach Bielefeld gelangte.

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Sonderausstellung

Uli Stein – „Wow wau!“
28. Mai bis 17. September 2017

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