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Seit 1345 sind Juden in Bielefeld urkundlich belegt. Unter den Grafen von Ravensberg und den folgenden Territorialherren mußten sie sich eine Duldung als "Schutzjuden" mit der Zahlung hoher Geldbeträge teuer erkaufen.1350 wurden sie wie in ganz Mitteleuropa aus Bielefeld verjagt, weil die mehrheitlich christliche Bevölkerung die Juden für den Ausbruch einer großen Pestepidemie verantwortlich machte. Erst seit 1647 unter dem Großen Kurfürsten wuchs die jüdische Bevölkerung zu einer lebensfähigen Gemeinde. Schlecht und recht ernährte sie sich von Handelsgeschäften. Die Aufklärung setzte schließlich die rechtliche und gesellschaftliche Emanzipation der Juden in Gang.
Während der Industrialisierung spielten die Juden im Textilgewerbe Bielefelds eine bedeutende Rolle. Blieb die Leinenherstellung in den Händen der alteingesessenen christlichen Kaufleute, waren Juden als Unternehmer in der Wäscheproduktion, Plüsch- und Seidenweberei sowie in Textilgeschäften überproportional vertreten. Als größter Berufsbekleidungshersteller Nordwestdeutschlands erlangte beispielsweise die 1850 gegründete Firma M. Mosberg überregionale Bedeutung.
Ihr gestiegenes bürgerliches Selbstbewußtsein und ihre Integrationsbereitschaft drückten die Bielefelder Juden 1905 durch den Bau einer stattlichen Synagoge an der Turnerstraße aus. Das Gebäude fiel in der Progromnacht vom 9./10. November 1938 dem von den Nationalsozialisten gelegten Feuer zum Opfer.
1933 lebten rund 1000 Juden in Bielefeld. Viele von ihnen dachten konservativ und deutschnational, wie der Textilkaufmann Alfred Gottschalk und seine Familie, deren Schicksal bis zur Ermordung im KZ im Museum nachgezeichnet wird. Etwa 500 Bielefelder Juden wurden in der NS-Zeit getötet, die meisten anderen wanderten aus und kehrten nicht nach Bielefeld zurück.