Das Museum und der Shutdown
umdenken – neudenken – weiterdenken

Ist der Besucher als Zeuge ein bloßer Ereignis-Konsument?

Ist das Verhältnis zwischen Ereignis und Übertragung im Wandel oder ist die Übertragung selbst ein öffentliches Ereignis?

Das Museum als Kooperationspartner

ein Experiment in Echtzeit

Das Museum und der Shutdown – umdenken – neudenken – weiterdenken

Corona stellt im Museum zwei alte Fragen neu: Wo sind die Adressaten? Und wer sind sie? Die kulturelle Öffentlichkeit ist ausgesperrt, aber virtuelle Welten holen sie ins Museum zurück. Das Virus und der Shutdown lösen das Publikum aus seinem lokalen Bezug und verändern es. Durch eine „unbegrenzte, ortlose Öffentlichkeit“1, wie es die Historikerin Arlette Farge 1992 formuliert hat, entstehen neue Formen der Rezeption. Von einer „Ferngesellschaft“2 spricht der Medientheoretiker Peter Weibel in seinem Essay Virus, Viralität, Virtualität (2020). Dem Museum verhilft eine Kultur der Digitalität zu einer neuen Rolle. Es verlegt seine Präsentationen und Angebote in den virtuellen Raum und bekommt von überallher Rückmeldungen von Zuschauerinnen und Zuschauern, die sich äußern, mitreden und mitgestalten wollen. Sie bringen sich zum Beispiel bei Online-Führungen mit Live-Chats als kulturelle Akteure ein, können aber auch Vorschläge für neue Themen machen. Damit wird in einem Perspektivenwechsel, wie der Kulturwissenschaftler Christian Holst in seinem Aufsatz Zur digitalen Transformation des Kulturbetriebs (2019) erläutert, die klassische Angebotsorientierung kultureller Institutionen um eine neue Nachfrageorientierung ergänzt3. Das Museum ist nicht mehr bloß Produzent kultureller Angebote, sondern wird auch zum Moderator. Durch die größere virtuelle Reichweite bekommt es viel stärker als vorher Impulse und Anregungen von außen, die das Museum in seine Arbeit einbeziehen muss. Es wird stärker wahrgenommen, seine Attraktivität vergrößert sich und es kommen schließlich mehr Besucher als vorher ins Museum. Damit bietet sich auch eine große Chance. Bisher dienen digitale Angebote vielfach dem Marketing, der Imagebildung oder der Bindung eines online-affinen jungen Publikums. Jetzt können digitale Angebote zu einer eigenständigen Säule im virtuellen Raum werden, auf Dauer und neben den Präsentationen und Führungen vor Ort. Der virtuelle Raum kann sich für das Museum aus einem Exil während des Shutdowns zu einer zweiten Heimat entwickeln.


1 Farge, Arlett: Dire et mal dire. L´opinion publique au XVIIIe siècle, Paris 1992, zit. in: Kernbauer, Eva: Das Publikum in der kunsttheoretischen Tradition. Wege zur Öffentlichkeit (und zurück), in: Kammerer, Dietmar: Vom Publicum. Das Öffentliche in der Kunst, Bielefeld 2010, S. 49-71, hier: S. 53.

2 Weibel, Peter: Virus, Viralität, Virtualität: Wie gerade die erste Ferngesellschaft der Menschheitsgeschichte entsteht (Neue Zürcher Zeitung, 20.3.2020). Internet: https://www.nzz.ch/feuilleton/virus-viralitaet-virtualitaet-peter-weibel-ueber-die-erste-ferngesellschaft-in-der-menschheitsgeschichte-ld.1547579 (Zugriff: 9.4.2020)

3 Holst, Christian: „Hello, we’re from the internet“. Zur digitalen Transformation des Kulturbetriebs (2019). Internet: https://www.kubi-online.de/artikel/hello-were-from-the-internet-zur-digitalen-transformation-des-kulturbetriebs (Zugriff: 9.4.2020); Vgl. auch: Holst, Christian: Kultur im Shutdown. Teil 1: Digitales Exil oder zweite Heimat? (2019). Internet: https://christianholst.de/2020/03/23/kultur-im-shutdown-teil-1-digitales-exil-oder-neue-heimat/ (Zugriff: 9.4.2020); Vgl. auch: Holst, Christian: Kultur im Shutdown. Teil 2: Was reimt sich auf Corona? (2019). Internet: https://christianholst.de/2020/04/05/kultur-im-shutdown-teil-2-was-reimt-sich-auf-corona/ (Zugriff: 9.4.2020)


ONLINE Führung

jeden Mo und Mi+ Archiv

Viele Seiten Text, Hörstationen und Filme stecken in der neu gestalteten Dauerausstellung des Historischen Museums. Diese Informationen stehen allen Besucher*innen zur Verfügung und können eine stunden-, ja tagelange Beschäftigung möglich machen. Vielleicht fühlt man sich aber auch ein wenig erschlagen und wünscht sich manchmal eine Führung, die einen Weg durch die verschlungenen Pfade der Geschichte weist. Dann bekommen die vielen Fakten ihre Hintergründe und die erzählende Form erinnert daran, dass auch die Geschichte von Menschen gemacht und durchlitten wurde. 

Zu einer Kurzführung von etwa 15 Minuten live in der Dauerausstellung laden wir Sie ein, so lange das Museum geschlossen bleiben muss. Dabei wollen wir Ihnen jeweils einen bestimmten Ausschnitt aus der Bielefelder Stadtgeschichte von der Gründung 1214 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 vorstellen.

Zielgruppe: Erwachsene


Objektgeschichten

Täglich

Wie die meisten Museen kann auch das Historische Museum nur einen Bruchteil seiner umfangreichen Bestände ausstellen. Als ein Stadtmuseum, das besonders das Industriezeitalter in den Blick nimmt, deckt es einen enormen Zeitraum von der vorstädtischen Besiedlung Bielefelds im Frühmittelalter bis in die jüngste Vergangenheit ab. Entsprechend vielgestaltig sind die Sammlungsobjekte in Größe, Material und Beschaffenheit – vom Hosenknopf bis zur tonnenschweren Maschine. 

Seit 2012 präsentiert das Historische Museum auf seiner Homepage jeden Monat ein Objekt aus seiner Sammlung. Wichtig für die Auswahl war die Frage, ob sich zu einem Exponat eine interessante Geschichte erzählen lässt. Dabei kann es sich um die Umstände der Erwerbung handeln, die Entwicklung der Herstellerfirma oder die Biografie einer Person, die den Gegenstand einmal besessen hat. Dr. Gerhard Renda und Dr. Wilhelm Stratmann stellen hier einige Sammlungsstücke vor.

Zielgruppe: Erwachsene

Wir freuen uns auf eure Beiträge! 


MACH MIT!

Fortlaufend

Wie wünschst du dir deine Welt?

Mach mit!

Im Moment ist irgendwie alles anders. Ihr könnt gerade nicht mehr in die Kita oder Schule gehen und Freunde sollt ihr eigentlich auch nicht mehr treffen. Euer Alltag hat sich ganz schön verändert. Auch unser Museum muss im Moment geschlossen bleiben und Ihr dürft uns nicht mehr besuchen kommen. Wir sind trotzdem hier und arbeiten hinter den Kulissen weiter. Werdet nun Zuhause für uns kreativ! Momentan hört man viel über die Welt und ihre Probleme. In was für einer Welt möchtet ihr in Zukunft leben? Was würdet ihr gerne verändern? Was macht euch Angst und was wünscht Ihr euch für die Zukunft?

Ihr seid völlig frei in der Gestaltung. Was beschäftigt euch gerade besonders? Zeigt es uns mit euren Werken und wir bringen sie in einer kleinen Ausstellung ins Museum. 

Schickt uns bis zum 30.04. ein Foto eures Kunstwerkes mit Titel per Mail oder per Post. Alle Werke werden wir auch auf unserem Instagram Account unter dem Hashtag #deinewelt teilen.

Zielgruppe: Kinder und Jugendliche


Sammlungsaufruf

Fortlaufend

Alltag in der Corona-Krise: Historisches Museum Bielefeld sammelt Objekte

Wenn die Corona-Krise irgendwann überwunden ist, wie wird man sich dann an sie erinnern? Was ist während der Krise wichtig gewesen? Was verbinden die Bielefelder mit Corona?

Diese Fragen will das Historische Museum Bielefeld für die Bielefelder Stadtgeschichte schreiben. Das Museum ruft deshalb zum gemeinsamen Sammeln „von Bildern, Texten, Audios, Videos, Fotos, Objekten und Geschichten“ auf. Gewünscht sind Geschichten und Bilder aus dem derzeitigen Alltag der Stadt, etwa von besonderen Zetteln und Schildern, die überall aushängen, vom selbstgenähten Mundschutz, von der Einkaufstasche, mit der man für die Nachbarin einkauft oder auch von der glücklich ergatterten Packung Toilettenpapier. Die Objekte können auch in die Museumssammlung aufgenommen werden. Einsendungen sind per Post oder Mail möglich: 

Zielgruppe: Alle



Deutschlandfunk Kultur: „Fazit“ Sendung vom 21.4.2020: Museumsarbeit nach Corona: Der Besucher als Ausstellungsmacher (Wilhelm Stratmann im Gespräch mit Sigrid Brinkmann)

https://www.deutschlandfunkkultur.de/museumsarbeit-nach-corona-der-besucher-als.1013.de.html?dram:article_id=475139.


Für Fragen und Diskussionen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Wir freuen uns sehr, wenn Sie mit uns in einen Dialog treten!

Ansprechpartner: 

Michael Falkenstein: falkenstein@historisches-museum-bielefeld.de

Dr. Maren-Sophie Fünderich: fuenderich@historisches-museum-bielefeld.de

Dr. Gerhard Renda: renda@historisches-museum-bielefeld.de

Dr. Wilhelm Stratmann: wilhelm.stratmann@bielefeld.de