Der Weg der Frauen zum heutigen Stand der Gleichberechtigung war lang und steinig und ist auf vielen Gebieten wie dem der gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit noch nicht zu Ende. Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert traten mutige Frauen in Deutschland zunächst für die politische und wirtschaftliche Gleichstellung ein. Erfolge auf diesem Weg wie die Erlangung des Frauenwahlrechts in der Weimarer Republik mussten hart erkämpft werden, da der männliche Widerstand nicht nur aus konservativen Kreisen kam. Das NS-Regime kassierte fast alle Errungenschaften der frühen Frauenbewegung wieder ein und verwies die Frau propagandistisch zurück an den Herd. In der Realität der Kriegsgesellschaft sah das allerdings häufig anders aus:
Frauen führten die Geschäfte ihrer an den Fronten kämpfenden Männer, übernahmen die Rolle des Familienvorstands, wurden zur Arbeit in der Rüstungsindustrie herangezogen, wurden Pilotinnen, Funkerinnen usw. In der Nachkriegszeit und den 1950er Jahren folgte dann die Restauration des klassischen Familienbilds. So wirkten am Grundgesetz der BRD lediglich vier Frauen mit, die zumindest einige Forderungen durchsetzen konnten. Dennoch blieben diskriminierende Bestimmungen, beispielsweise im Bereich des Berufslebens oder der Familie, vorerst erhalten.

„Zweite Frauenbewegung“

Die gravierenden Veränderungen gingen von der überwiegend von Akademikerinnen getragenen „Zweiten Frauenbewegung“ aus. 1967/68 hatten sich etliche Frauen der linken Studentenbewegung um den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) angeschlossen, wurden aber von ihren männlichen Genossen nicht sehr ernst genommen. Der Widerstand der Frauen gegen den auch im linken Lager weit verbreiteten männlichen Chauvinismus gipfelte in dem symbolischen Tomatenwurf Sigrid Rügers auf die SDS-Funktionäre 1968 während des Frankfurter Kongresses.

 

Die führenden Köpfe dieser Bewegung waren stark durch die Protagonistinnen der amerikanischen Women`s Liberation-Bewegung wie Betty Friedan oder Susan Brownmiller beeinflusst. Sie wurden in den verschiedensten Organisationsformen aktiv. So entstanden in den Groß- und Universitätsstädten Weiber-räte, Frauenbuchläden oder Kinderläden. Das wichtigste Ziel dieser Gruppen war zunächst der Kampf um die Reform des umstrittenen Paragraphen 218, danach der Kampf gegen männliche Gewalt und Bevormundung. In den 1980er Jahren zersplitterte die Frauenbewegung in verschiedene Gruppierungen, die sich für unterschiedliche Ziele engagierten. Zu Unrecht verbreitete sich die gesellschaftliche Vorstellung, eine Gleichstellung sei bereits erreicht und der feministische Diskurs wurde verstärkt angefeindet. Wie in anderen Städten gingen auch in Bielefeld viele Impulse für die lokale Frauenbewegung von der Universität aus. Dort entstand 1978 das „Autonome Frauen- und Lesbenreferat“. Sehr früh, seit 1976, gab es in Bielefeld auch ein Frauenhaus, das in seinen Anfängen immer wieder um seine Existenz zu kämpfen hatte. Viele der in den 1980er Jahren entstandenen Einrichtungen gibt es noch heute, ja sie sind wie z.B. die Gleichstellungsstelle der Stadt Bielefeld selbstverständlich geworden.

Feminismus heute

Während sich die ersten Feministinnen für eine gesetzliche Gleichstellung der Frauen einsetzten, geht es heute darum, die Gleichstellung per Gesetz auch in der gesellschaftlichen Realität zu verankern und somit eine Gleichberechtigung aller Geschlechter, unabhängig von Sexualität, Körper, Religion und Herkunft in Gesellschaft, Beruf, Familie und Politik zu erreichen. Viele Themen wie der Kampf um die Selbstbestimmung des weiblichen Körpers oder gegen Gewalt gegen Frauen und gegen Sexismus sind auch heute noch relevant. Hinzugekommen sind weitere Gesichtspunkte wie eine neue Interpretation der weiblichen Identität oder der Kampf gegen Rassismus und Klimawandel, beispielsweise durch einen Gebärstreik.

Frauenbewegt

Die Ausstellung „Frauenbewegt. Aufbrüche in Bielefeld ab 1970“ widmet sich vor allem der Geschichte und dem Wirken der Bielefelder Frauenbewegung ab den 1970er Jahren. Ihre Aktivitäten werden am Beispiel ausgewählter Orte dargestellt. Daneben fließen aber auch ortsungebundene Aspekte mit ein. Die Ausstellungsmacher*innen sind sich bewusst, dass sie Aspekte und Manifestationen der Frauenbewegung nur ausschnitthaft darstellen können. Sie halten es aber für sehr wichtig, diese Themen im Historischen Museum aufzugreifen und bedanken sich bei den vielen Protagonistinnen, ohne deren Hilfe die Ausstellung nicht realisierbar gewesen wäre.