Sonderausstellung

Mehr als ein Drittel der Bielefelder*innen hat einen Migrationshintergrund – das sind Menschen, die selbst oder deren Eltern nicht von Geburt an die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Viele neue Mitbürger*innen sind in den 1950er und 1960er Jahren nach Bielefeld gekommen, als die Wirtschaft brummte und es überall an Arbeitskräften fehlte. Die Bundesregierung vereinbarte daher zwischen 1955 und 1971 eine Reihe von Anwerbeabkommen mit Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Marokko, Südkorea, Portugal, Tunesien und Jugoslawien. Gesucht wurden Männer und Frauen, die ganz nach Bedarf eingesetzt werden konnten und Tätigkeiten ausüben mussten, für die sich kaum noch deutsche Arbeitnehmer*innen fanden. Ihr Aufenthalt in Deutschland sollte nur von kurzer Dauer sein.

Die sogenannten „Gastarbeiter*innen“ trafen auf eine Kultur, die Ihnen fremd war, und stießen allzu oft auch auf Vorbehalte und Ablehnung. Dennoch entstanden viele Freundschaften zwischen „Gästen“ und „Einheimischen“. Die neuen Mitbürger*innen bereicherten das alltägliche und kulturelle Zusammenleben und die Stadtgesellschaft veränderte sich. Als die Bundesregierung im November 1973 die Anwerbungen stoppte, entschieden sich viele „Gastarbeiter*innen“ zu bleiben. Sie holten ihre Ehepartner*innen und Kinder nach oder gründeten neue Familien. Bielefeld wurde zur zweiten Heimat.

 

„Angekommen“ zeigt am Beispiel der „Gastarbeiter*innen“ Aspekte der Geschichte der Zuwanderung nach Bielefeld und rückt die Lebensgeschichten der Menschen in den Mittelpunkt. Anhand von biographischen Interviews, persönlichen Objekten und politischen Dokumenten werden die Herausforderungen des Ankommens und des Zusammenlebens nachgezeichnet. Dabei wird auch die Frage aufgeworfen, wo wir heute stehen und wie wir zukünftig mit Zuwanderung umgehen wollen.

Die Ausstellung, die in enger Kooperation mit dem Integrationsrat der Stadt Bielefeld entstanden ist, wird von einem vielfältigen Programm an Aktionen und Veranstaltungen begleitet. Ein Ausstellungsprojekt des Kinder-Kunst-Museums unter Leitung der Kunstpädagogin Anke Brandt beleuchtet das Thema „Kunst und Leben im Karussell der Migration“. Insbesondere Schulklassen sind eingeladen, das Kinder-Kunst-Museum zu besuchen. Ein weiterer Ausstellungsraum ermöglicht es Bielefelder Künstler*innen mit Migrationsgeschichte mit eigenen Werken einen persönlichen Blick auf das Thema Migration zu werfen. Um den Zugang zur Ausstellung zu erleichtern sind die wichtigsten Ausstellungstexte in acht verschiedene Sprachen übersetzt worden. Auch Führungen in unterschiedlichen Sprachen werden angeboten. Kinderaktionen, Konzerte, Vorträge und Lesungen runden das Begleitprogramm ab. Termine werden rechtzeitig über die Presse, Social Media und die Homepage des Historischen Museums Bielefeld bekannt gegeben.