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PilgerzeichenEin Pilgerzeichen

Auf den ersten Blick wirkt das etwa vier Zentimeter hohe Metallplättchen mit der skurrilen Figur darauf wenig spektakulär. Tatsächlich handelt es sich bei dem an der Welle in der Bielefelder Altstadt gefundenen Gegenstand aber um ein historisch spannendes Zeugnis mittelalterlicher Frömmigkeit. Zugleich wirft es ein Licht auf die weitreichenden Verbindungen, die Bielefeld schon in seiner Frühzeit hatte.

Pilgerfahrten waren ein besonderer Ausdruck von Frömmigkeit. Ihnen lag der Gedanke zu Grunde, dass der Besuch einer heiligen Stätte, meist das Grab einer heiligen Person, dem Seelenheil des Pilgers zuträglich sei. Oft verbanden sie sich mit einem Gelübde, sie konnten aber auch als Buße aufer­legt werden. Neben den zentralen Pilgerorten wie Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela existierte eine Fülle mehr oder weniger bedeutender regionaler Pilgerziele. Als Zeichen einer vollendeten Pilgerfahrt nach Santiago bildete sich der Brauch heraus, eine Muschel sichtbar an der Kleidung, meist am Hut, zu tragen. Der dadurch ausgewiesene Pilger genoss auf seiner Wanderung besonderen Schutz und Gastfreundschaft. Diese Funktion übernahmen an anderen Gnadenorten kleine Metallplaketten, die in großen Mengen verkauft wurden. Sie stellten das Gnadenbild oder den Heiligen des jeweiligen Ortes dar. An der Welle kam ein Pilgerzeichen aus dem 13. Jahrhundert zu Tage, das den Hl. Servatius von Maastricht zeigt. In Braunschweig und Bremen wurden vergleichbare Stücke gefun­den, sodass die Servatius-Wallfahrt in dieser Zeit offensichtlich für Nord­deutschland von Bedeutung war. Der Heilige ist als Bischof mit Mitra und Stab sowie einem riesigen Schlüssel als Attribut abgebildet. Da Bielefeld auch Handelsbeziehungen in das Gebiet der heutigen Niederlande unterhielt, dokumentiert das Pilgerzeichen von der Welle in doppelter Hinsicht die Weltoffenheit, die zumindest eine gewisse Zahl der Bürger schon im Mittelalter besaß.

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