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Rauchverzehrer

Rauchverzehrer

Sind sie nicht Mitleid heischend, die beiden Äffchen, die sich eng aneinander klammern? Was von vorn wie eine dekorative Tierplastik aussieht, weist auf der Rückseite mit einer Reihe von Löchern und einem Stecker auf eine andere Funktion hin. Die Äffchen hatten ursprünglich die Aufgabe, „zur Verbesserung und Reinigung der Zimmerluft in Damensalons und im Herrenzimmer“ zu dienen, wie eine Anzeige der Porzellanfabrik Rosenthal & Co. in den 1930er Jahren verkündete. Dass die Rauchverzehrer bestenfalls den Qualm der Zigarren und Zigaretten überlagerten, stand auf einem anderen Blatt.

Bereits 1831 kündigte die Berliner „Zeitung für die elegante Welt“ ein Buch mit dem Titel „Der vollkommene englische Lampenfabricant“ an, das unter anderem auch die Rubrik „Rauchverzehrer“ enthielt. Aber erst mit der beginnenden Elektrifizierung des Haushalts entstand der klassische Rauchverzehrer, der rund fünfzig Jahre lang ein fester Bestandteil vieler Wohnstuben war. In eine dekorative Hülle aus Porzellan oder Keramik füllte man ein Duftöl ein, oft vermischt mit Wasser, das über eine Glühbirne erhitzt wurde. Das Aroma übertünchte den Rauch und die Wärme sorgte für eine bessere Umwälzung der Raumluft. „Verzehrt“ wurde der Rauch aber nach wie vor von den anwesenden Personen.

Mehrere Faktoren waren für den Siegeszug der Rauchverzehrer bedeutsam. Zunächst war das Rauchen und damit die „dicke Luft“ in den Wohnungen überall verbreitet. Die Stromversorger unternahmen seit den 1920er Jahren große Anstrengungen, durch immer neue elektrische Geräte den Verbrauch in die Höhe zu treiben. Sie trafen auf leistungsfähige Porzellanfabriken, die neue Artikel in ihr Programm aufnahmen und für die schnöde Glühbirne eine attraktive Verpackung bereitstellten. Die Vielzahl der Formen ist nahezu unerschöpflich. Am häufigsten kommen Tiere aller Art und asiatische Motive wie Pagoden oder Buddhas vor. Gerade in den 1920er und 1930er Jahren gab es auch elegante oder erotische Figuren, während in der Nachkriegszeit eher biedere Motive vorherrschen. Beliebt waren neben treuherzigen Tieren Ikonen der Populärkultur wie Figuren von Walt Disney, das Schwarzwaldmädel oder „Mecki“, das Maskottchen der Fernsehzeitschrift „Hör Zu“. Hersteller waren zum Teil renommierte Porzellanfabriken wie Heubach, Rosenthal oder Goebel. Unser Affenpaar stammt wohl aus den 1930er Jahren. Es trägt keinen Hinweis auf den Hersteller, aber ein sehr ähnliches Modell gehörte zum Programm der Firma Ernst Bohne, später Albert Stahl &. Co. in Rudolstadt in Thüringen.

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