Objekt des Monats Oktober

Straußenfedern  ·

Naturschutz und wirtschaftliche Interessen stehen sich oft unversöhnlich gegenüber.  Zu einer Zeit, als der Reichtum der Flora und Fauna des Erdballs noch als unerschöpflich galt, verwendete die Mode bedenkenlos unterschiedlichste tierische Überreste für ihre dekorativen Zwecke. Ein gutes Beispiel für diesen Raubbau sind die Straußenfedern in unserer Sammlung.

Die eindrucksvollen Schmuckfedern der flugunfähigen Strauße waren von altersher als luxuriöses Accessoire beliebt. In Europa kamen sie als Hutschmuck bereits im 18. Jahrhundert in Mode. Die weißen Prachtfedern, die beim Straußenhahn am Schwanz und an den Flügelspitzen, bei der Henne nur an den Flügeln sitzen, erreichen eine Länge von bis zu 70 cm und waren besonders begehrt. Straußenfedern lassen sich gut bearbeiten, sie können gebleicht, gefärbt und zu üppigen Arrangements, sogenannten Pleureusen, verbunden werden.

Die Nachfrage nach den Federn führte im 19. Jahrhundert zu einer verstärkten Bejagung der wilden Strauße in Afrika, die ihre Bestände dezimierte.  Bereits 1838 entstand daher die erste Straußenfarm in Südafrika, um das Angebot durch gezüchtete Tiere sicher zu stellen. Als Deutschland 1884 seine Kolonien in Ost- und Südwestafrika erwarb, stellten Straußenfedern vor allem aus letzterem Gebiet bald einen wichtigen Exportartikel dar. Christian Grotewold veranschlagte 1907 in seinem Buch „Unser Kolonialwesen und seine wirtschaftliche Bedeutung“ den Wert von einem Kilo Federn je nach Qualität auf 50-500 Mark und fügte im Hinblick auf die Straußenfarmen hinzu: „Ihre Rentabilität hängt natürlich vom Marktpreis der Straußenfedern ab – dieser wird aber (…) souverän von der durch die Mode bestimmten Nachfrage bestimmt. Da die Moden aber immer wieder (…) auf früher begünstigte Artikel zurückkehren, so finden die Federn immer einen Markt…“

Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts nahm die Damenmode unter dem Einfluss von Jugendstil und Reformkleidung eine immer schlankere und geradere Form an. Dagegen wuchsen sich die Hüte zu wahren Wagenrädern aus, die mit üppigem Blumen- und Federschmuck geziert waren. Die Straußenfarmen im Süden Afrikas erlebten eine ungeheuere Nachfrage, die sie kaum befriedigen konnten. 1911 zahlte man für ein Kilo  Federn bester Qualität 4000 Mark. Teilweise gefärbt, wurden sie von den Modistinnen in unterschiedlicher Weise auf den Hüten arrangiert. Um 1910 umgaben sie, kunstvoll auf der Krempe drapiert, den Hutkopf; einige Jahre später waren einzelne aufragende Federn in Mode.

Durch den Ersten Weltkrieg brach der Handel mit Straußenfedern jedoch ein. Die Mode der Nachkriegszeit hatte für sie kaum noch Verwendung und zumindest die wild lebenden Strauße konnten nun aufatmen.