Objekt des Monats März

Schreibmaschine abc •

„Hässlichkeit verkauft sich schlecht.“ Diese Maxime des amerikanischen Designers Raymond Loewy (1951) beherzigte in der Nachkriegszeit auch der Bielefelder Nähmaschinenhersteller Kochs Adler. Erstmals verpflichtete das Unternehmen einen namhaften Industriedesigner, um seinen Produkten eine  moderne Form zu geben. Die Schreibmaschine abc wurde sogar zu einem Designklassiker. Aber wieso Schreibmaschine?

Nach der Gründung der Bundesrepublik 1949 begann bei Kochs Adler ein Umdenken. Die Produktion von Haushalts-, Stick- und leichten Gewerbemaschinen wurde beschnitten, stattdessen entstand ein modernes Programm an Industrienähmaschinen. Ein Jahr später startete die Firma ein umfangreiches Neubauvorhaben, um die kriegszerstörten Gebäude zu ersetzen. Seit Dezember 1951 prüfte man eine Diversifizierung der Produktion. Hier kam der Gedanke auf, Kleinschreibmaschinen herzustellen, die als feinmechanischer Artikel gut zur Ausrichtung der Firma passten. Im Jahr 1955 begann die Produktion für die sehr leichte und gut tragbare Kofferschreibmaschine mit dem Markenzeichen „abc“. Obwohl Schreibmaschinen der Adler-Werke AG, Frankfurt/Main schon lange am Markt waren und ein Markenproblem befürchtet wurde, setzte sich die zierliche „abc“ durch und wurde auch international erfolgreich.

Der Entwerfer der Maschine, Wilhelm Wagenfeld (1900-1990), war fast ein Garant für den Erfolg. In Bremen geboren, kam er nach einer handwerklichen Ausbildung 1924 in die Metallwerkstatt am Bauhaus. Dort entwarf er die elegante Tischlampe, die als „Wagenfeld-Leuchte“ berühmt wurde. Später war er für viele renommierte Firmen wie die Porzellanhersteller Fürstenberg und Rosenthal, für WMF, die Vereinigten Lausitzer Glaswerke oder das Jenaer Glaswerk Schott & Gen. als freier Designer tätig. Wagenfelds Credo lautete: „Massenerzeugnisse können so richtig, so nützlich und schön sein, daß ihr massenhaftes Verbreitetsein der große Fortschritt unserer Zeit ist.“ Während Schreibmaschinen in den 1950er Jahren noch recht klobige Gehäuse hatten, die das erhebliche Gewicht unterstrichen, besticht die „abc“ von Kochs Adler durch ihre flache schnittige Form und ihre Leichtigkeit. In der Art, wie sich die oberen Abschlüsse des Gehäuses zum Typenkranz hin biegen, klingt die zeittypische Stromlinienform an. Die Maschine gab es neben der grünen Hammerschlaglackierung auch in anderen Farbstellungen. Auf der Hannover-Messe wurde sie in der Ausstellung „Die gute Industrieform“ präsentiert und als eines der ersten Erzeugnisse von Kochs Adler serienmäßig am Fließband gefertigt. Die Zusammenarbeit des Bielefelder Unternehmens mit Wagenfeld blieb jedoch ein Einzelfall und auch die Schreibmaschinenproduktion wurde nach wenigen Jahren wieder eingestellt.