Dauerausstellung

Die Welt ist im Umbruch – war sie das nicht immer?

Eine der größten Veränderungen in der Geschichte setzte die Industrialisierung in Gang. Ein monumentales Zeugnis dieser Epoche in Bielefeld ist die Ravensberger Spinnerei, die 1857 die Produktion aufnahm. Einst war sie die größte Flachsspinnerei auf dem europäischen Kontinent. Dann war sie jahrelang vom Abbruch bedroht. Heute ist sie ein Industriedenkmal von europäischem Rang. Seit 1994 befindet sich hier in mehreren Gebäudeteilen das Historische Museum. 

Die Dauerausstellung präsentiert einen attraktiven Querschnitt in die 800-jährige Stadtgeschichte. Der Rundgang durch die Ausstellung führt über zwei Ebenen durch die einzelnen Epochen und schildert kritisch und reflektierend die damit einhergehenden Umbrüche der Bielefelder Stadtgeschichte. 

Über 1000 historische Objekte in der ständigen Ausstellung erzählen von Menschen, Ereignissen, Ideen und historischen Abläufen. Im Zentrum steht dabei die Stadt- und Regionalgeschichte. Die Präsentation der Themen wird in einen Zusammenhang mit der allgemeinen Gesellschafts- und Kulturgeschichte gesetzt. 

Seit 2014 wird die ständige Ausstellung schrittweise erneuert. Der Eingangsbereich, der Dampfmaschinenraum, das Luftbild und die Abteilungen Mittelalter, Frühe Neuzeit, 19. Jahrhundert sowie 1914-1945 präsentieren sich bereits im neuen Gewand. 

In einem Vorraum empfängt die Besucher das größte Ausstellungsstück des Museums: eine der ältesten in Deutschland erhaltenen Dampfmaschinen, Baujahr 1842. Nach einem wechselvollen Schicksal als „Maschinendenkmal“ ist sie an ihren früheren Einsatzort zurückgekehrt und steht hier als Symbol für den Beginn der Industrialisierung, die für Bielefeld so folgenreich war. Auf dem Luftbild beginnt dann die Reise in die Vergangenheit, z. B. in einem Straßenbahnwagen, in dem historische Filme eine Fahrt durch Bielefeld in verschiedenen Jahrzehnten ermöglichen. Es folgen 22 Ausstellungseinheiten auf mehr als 2000 qm innerhalb der historischen Sheddachhalle.

Der Rundgang setzt mit der Gründung der Stadt durch die Grafen von Ravensberg 1214 ein und veranschaulicht die bauliche Entwicklung an vier Stadtmodellen. An einer Mitmachstation können große und kleine Besucher ausprobieren, wie sich das Mittelalter anhört und anfühlt. Im 16. Jahrhundert begann der Aufstieg des Leinengewerbes und -handels in der später preußischen Grafschaft Ravensberg, für die Bielefeld das Zentrum darstellte. Das „Bielefelder Leinen“ wurde zu einem weltweit gefragten Markenprodukt, das den Wohlstand der Stadt begründete. Die industrielle Revolution stürzte das Leinengewerbe dann in die Krise. Die Debatte um die Mechanisierung und die Gründung der ersten Maschinenspinnereien in Bielefeld ist in der Ausstellung ausführlich dargestellt. Diese stand am Beginn einer stürmischen Entwicklung der Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Spinnereien zogen mechanische Webereien und Wäschefabriken nach sich. Alle benötigten Maschinen, letztere vor allem Nähmaschinen, die das Ausgangsprodukt für die Bielefelder Metallindustrie wurden. Fahrräder, Motorräder, sogar Autos, sowie Registrierkassen, Büro- und Werkzeugmaschinen waren weitere bekannte Bielefelder Artikel. Das Museum zeigt eine Auswahl dieser historischen Industrieprodukte, die heute beliebte Sammlerstücke sind. Vor allem lässt es jedoch die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen, die durch die Industrialisierung grundlegend verändert wurden, in verschiedenen Inszenierungen erfahrbar werden. So stehen sich etwa eine originale Arbeiterküche und ein großbürgerliches Zimmer gegenüber und zeigen anhand der dort versammelten Exponate die Lebenswelt dieser beiden sozialen Schichten vor dem Ersten Weltkrieg. Mit Rüstungsproduktion und Bombenkrieg 1939-1945 und dem Niedergang mancher Bielefelder Industriezweige seit den 1960er Jahren sind Umbruchsituationen der jüngeren Vergangenheit thematisiert, die bis in die Gegenwart nachwirken.

Am Ausgang erinnert das laute Ticken eines historischen Turmuhrwerks an die eigentliche Dimension der Geschichte, die Zeit.