Am 23. Juni ist Reinhard Vogelsang im Alter von 87 Jahren gestorben. Der Historiker und Archivar war ein bedeutender Chronist der Bielefelder Stadtgeschichte und Wegbereiter für die Gründung des Historischen Museums. In Bielefeld geboren, ging Vogelsang nach dem Abitur am Max-Planck-Gymnasium für das Studium der Geschichte und Germanistik nach Göttingen und Berlin. Nach der Promotion im Jahr 1966 absolvierte er die Archivausbildung im Staatlichen Archivlager in Göttingen und betreute dort zunächst die Bestände des Staatsarchivs Königsberg. 1971 kehrte er nach Bielefeld zurück und leitete als erster wissenschaftlich ausgebildeter Archivar das Stadtarchiv.
Sein auf Zugänglichkeit und Zusammenarbeit bedachtes, den Menschen zugewandtes Geschichtsverständnis hinterlässt bis heute nachhaltige Spuren in der Stadt. Er begriff das Stadtarchiv als ein „Haus für die Geschichte“, das jedem offenstehen sollte. Er kooperierte eng mit der Geschichtsfakultät, an der auch lehrte, und bereitete zahlreichen Studien zur Bielefelder Stadtgeschichte den Weg.
Vogelsang war aber nicht nur Wegbereiter, sondern erforschte auch selbst unermüdlich die Geschichte von Stadt und Region. Zahlreiche Schriften krönen sein Werk. Die dreibändige „Geschichte der Stadt Bielefeld“, die zwischen 1980 und 2005 erschienen ist, bildet bis heute Grundlage und Ausgangspunkt für jede Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte. Auch bei der Vorbereitung von Ausstellungen geht der Blick zuerst hierher.
1981 wurde Vogelsang als ordentliches Mitglied in die Historische Kommission für Westfalen gewählt. 1988 erfolgte die Ernennung zum Honorarprofessor an der Bielefelder Geschichtsfakultät. In dieser Zeit war er auch Vorsitzender des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg (1980-1989), dem er seit 1971 angehörte. Dieses Amt und seine Reputation als Stadtarchivar nutzte er geschickt, um für die Gründung des Historischen Museums zu werben. Das Projekt war ihm ein wichtiges Anliegen, für das er klare Vorstellungen hatte: Es sollte ein Ort sein, an dem für jeden verständlich die Industriegeschichte der Stadt gezeigt und vermittelt wird.
Sein unermüdlicher Einsatz für das Museum war von Erfolg gekrönt: Vogelsang formulierte Anträge an die städtischen Gremien, entwickelte ein inhaltliches Konzept und kuratierte 1986 unter dem Titel „Geschichte in der Fabrik. Bielefelds Weg ins Industriezeitalter“ eine erste große Ausstellung, die seine Vorstellungen veranschaulichte. Er baute sogar eigenhändig ein maßstabsgetreues Modell des Museums, mit dem er emsig für seine Ideen warb.
Die Gründung des Historischen Museums ist zu großen Stücken sein Verdienst. Wir verdanken Reinhard Vogelsang sehr viel und gedenken eines großen Chronisten der Bielefelder Stadtgeschichte, der nun verstorben ist.





