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Im Gegensatz zu anderen alten westfälischen Städten wie Dortmund, Münster oder Soest hatte Bielefeld Jahrhunderte lang keine große politische oder wirtschaftliche Bedeutung. Entsprechend selten und wenig aussagekräftig ist die bildliche Überlieferung bis zum Ende des Alten Reichs 1803. 

Im 19. Jahrhundert ändert sich das Bild. Zwar gibt es kaum ortsansässige Künstler, die sich der Darstellung ihrer Heimatstadt widmen, aber mit der Industrialisierung wachsen Bedeutung und Wohlstand Bielefelds. Das aufstrebende Bürgertum bietet sich als Käuferschicht für grafische Ansichten und repräsentativere Gemälde an. Am Ende des Jahrhunderts treten mit der Fotografie und der Postkarte zwei neue Medien hinzu. Dadurch vervielfacht sich die Zahl der Stadtansichten, die durch den geringen Preis für breitere Bevölkerungskreise zugänglich werden. Dabei liegt das Augenmerk sowohl auf den Zeugnissen der Vergangenheit als auch auf Neubauten, die den Stolz der wachsenden Stadt verkörpern. Zugleich entwickelt sich der frühe Tourismus, der für Bielefeld zwar wenig ausgeprägt ist, aber dennoch Souvenirs mit dem Bild der Stadt verlangt. 

Nach 1900 stellt sich eine neue Situation ein. Mit der 1907 gegründeten Handwerker- und Kunstgewerbeschule entsteht erstmals eine Einrichtung als Kristallisationskern, um die sich eine Kunstszene entwickeln kann. Die Künstler dieser Generation der „Bielefelder Moderne“ wie Peter August Böckstiegel, Hermann Stenner, Victor Tuxhorn und viele andere entdecken „Alt-Bielefeld“ mit seinen krummen Fachwerkwinkeln und -gassen, die malerische Motive bieten. Aber ihr Interesse gilt nicht nur der pittoresken Vergangenheit, sie nehmen auch die Industriestadt mit ihren Fabriken und die dörfliche Umgebung in den Blick. 

Der Zweite Weltkrieg hat die Innenstadt stark zerstört und das vertraute Stadtbild vernichtet. Diese Zerstörungen halten Künstler und Fotografen fest, klammern sich an die Reste des alten Bielefeld, die beim Wiederaufbau weiter dezimiert werden. Es ist die Zeit der städtebaulichen Visionen, die dem Verkehr Vorrang einräumen. Die zeitgenössische Kunst wendet sich von der Gegenständlichkeit ab, das Stadtbild als Motiv gerät ins Abseits. Fotografie und Film, beide oft im Dienst der (Eigen-) Werbung, prägen zunehmend die Wahrnehmung des Stadtbilds. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gibt es aber in diesem Bereich wieder eine kreative künstlerische Auseinandersetzung mit dem persönlichen „Blick auf Bielefeld“.

Die Ansichten sind in der Ausstellung nicht chronologisch geordnet, sondern gliedern sich nach einzelnen Themenfeldern. Mit Gemälden, Arbeiten auf Papier, Grafiken, Fotografien, Postkarten und Souvenirs werden erstmals künstlerische Ansichten der Stadt in einer weitgefächerten Auswahl vorgestellt. 

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