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SUM-Waffelpackung, um 1914

Ältere Einwohner Bielefelds haben vielleicht noch den Duft in der Nase, den ein unauffälliger Industriebau in der August-Bebel-Straße an manchen Tagen verströmte. Dort befand sich bis 1991 die Süßwarenfabrik SUM, die restlos aus dem Straßenbild verschwunden ist. Dabei gehörte die Firma Stratmann & Meyer, aus deren Anfangsbuchstaben sich der Markenname SUM zusammensetzte, einmal zu den Großen der frühen Süßwarenbranche.

Süßspeisen waren Jahrhunderte lang überwiegend der gesellschaftlichen Oberschicht vorbehalten, da Zucker aus dem tropischen Zuckerrohr teuer importiert werden musste. Erst als die Gewinnung des Süßstoffes aus der heimischen Zuckerrübe im 19. Jahrhundert in großem Maßstabe betrieben wurde, sanken die Preise für Süßwaren drastisch. Der Zuckerkonsum nahm in der gesamten Bevölkerung stark zu, gleichzeitig begann die industrielle Herstellung verschiedener Süßigkeiten. Zu den ersten gehörten „Cakes“, die ihr Vorbild in England hatten. Dort bezeichnete man den Schiffszwieback der Marine mit diesem Wort, der aber allmählich in einer süßen und mit feineren Zutaten angereicherten Variante auch in den Städten sehr beliebt geworden war. 1884, also noch fünf Jahre vor Hermann Bahlsen in Hannover, gründeten die beiden Herren Stratmann und Meyer in Bielefeld ihr Unternehmen. Um 1900 beschäftigte die Firma, die u. a. Mürbegebäck, Waffeln, Lebkuchen, Printen und Bonbons produzierte, fast 500 Mitarbeiter. In der nationalistisch aufgeheizten Stimmung vor dem Ersten Weltkrieg veranstaltete SUM einen Wettbewerb, um ein deutsches Wort für das englische „Cakes“ zu finden. Unter 4000 Einsendungen wählte man den Begriff „Knusperchen“, den SUM nun lange Zeit für seine Kekse verwendete und der auch auf unserer Packung erscheint. 1991 zog SUM, inzwischen im Besitz der Wurzener Nahrungsmittel GmbH, nach Sachsen und ging 2008 in der Firma Griesson-de Beuckelaer auf.

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